In den meisten Fällen liefern Röntgenuntersuchung oder Ultraschalldiagnostik ausreichende Informationen für eine Diagnosestellung. In anderen Fällen ist es dagegen notwendig, Verfahren wie Szintigraphie, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie einzusetzen.

Die Szintigraphie ist ein bildgebendes Verfahren der nuklearmedizinischen Diagnostik. Radioaktiv markierte Substanzen werden durch eine intravenöse Injektion in den Körper eingebracht und reichern sich in dem zu untersuchenden Zielorgan (z.B. Knochen, Schilddrüse, Nieren, etc.) an. Die nun vom Körper abgegebene Strahlung wird mit einer so genannten Gammakamera gemessen und mittels angeschlossenem Computer sichtbar gemacht. 

Das radioaktive Material reichert sich besonders stark in entzündlich veränderten Gewebesstrukturen an. Die Methode eignet sich sehr gut zur Darstellung von Entzündungsherden im Skelettsystem, liefert aber auch Informationen über die Funktion von Organen durch Messung von Aufnahme und Ausscheidung der strahlenden Substanz.

 

Indikation für die Durchführung einer szintigraphischen Untersuchung beim Pferd sind Entzündungsprozesse des Knochens und der Ansatzstellen
von Bändern, Sehnen und Gelenkkapseln, die radiologisch nicht eindeutig dargestellt werden können. Beispielhaft sind hier zu nennen Fissuren oder beginnende Knochenhautentzündung sowie alle Erkrankungen aus dem Bereich der Wirbelsäule, da diese für andere Untersuchungsverfahren nur sehr eingeschränkt zugänglich ist. Auch unklare Rittigkeitsprobleme können ein Einsatzgebiet der Szintigraphie sein.

Ablauf der Untersuchung:

 

Aus strahlenschutzrechtlichen Gründen ist es zwingend erforderlich, dass die Pferde für diese Untersuchung stationär aufgenommen werden. Der Gesetzgeber schreibt eine so genannte Abstrahlzeit von 24 Stunden nach der Untersuchung in entsprechender Quarantäne-Haltung vor.

Nach einer kurzen klinischen Allgemeinuntersuchung erhalten die Pferde am Untersuchungstag die intravenöse Injektion mit der radioaktiven Substanz (Technetium) und befinden sich dann in einer speziell abgeschirmten Stallabteilung in normalen Boxen.

Ca. 2 - 3 Stunden nach der Injektion werden die Pferde sediert und in den Untersuchungsraum geführt. Am stehenden Pferd erfolgt dann die Strahlungsmessung der zu untersuchenden Regionen mit der Gammakamera. Da es sich um eine dynamische Knochenstoffwechseluntersuchung handelt, werden individuelle Variationen immer durch Aufnahme des gegenseitigen Vorder- bzw. Hinterbeines überprüft. Die Dauer einer solchen Untersuchung hängt von der Anzahl der anzufertigenden Aufnahmen ab. Bei einer Ganzkörperszintigraphie beträgt der Zeitaufwand deutlich mehr als eine Stunde.

   

Die Ergebnisse werden dann anschließend am Computer ausgewertet. Abhängig von den festgestellten Befunden wird das weitere Untersuchungsprocedere bzw. das therapeutische Konzept festgelegt und mit den Besitzern besprochen.

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